Die vierte mitMenschPreis-Verleihung fand am 11. Oktober 2016 in Berlin statt. Sieger ist das Projekt „Ehrenamt rückwärts“.

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Song- und Backwerkstatt der Wohngruppe Alte Schule

Übergabe der Kekse in der Zentrale

Wir betreuen Menschen mit geistiger Behinderung, die ihre vorherige Betreuungseinrichtung aufgrund der Besonderheit ihres Verhaltens verlassen mussten oder wegen des zugeschriebenen Problemverhaltens erst gar keine Wohneinrichtung fanden, in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft. Der Personenkreis wird allgemein als „Menschen mit herausforderndem Verhalten“ beschrieben. Wir hingegen orientieren uns am von Jaques Heijkoop geprägten Begriff der „Menschen mit festgefahrenen Verhaltensweisen“ und verstehen ihr Verhalten als Reaktion auf Gefühle der Unsicherheit: „Diese Menschen vertrauen sich und anderen nicht.“ Sie reagieren aus der Unfähigkeit heraus, die Dinge um sie herum zu begreifen und auf das Unverständnis ihrer Umgebung, ihre Reaktion zu verstehen. Menschen mit geistiger Behinderung sind hier doppelt gehandicapt, da sie nun einmal langsamer denken und begreifen, was um sie herum geschieht und weil sie nur geringen Einfluss auf ihr eigenes Leben haben. „Sie sind gezwungen, anderen zu vertrauen, und das gelingt ihnen nicht immer.“ Unsere Arbeit zielt folgerichtig nicht darauf ab, das als störend wahrgenommene Verhalten zu verändern, sondern den Menschen mit hoher Akzeptanz zu begegnen und durch die Schaffung eines sicheren Lebensortes und einer am  Verstehen orientierten Pädagogik die Möglichkeit korrigierender Erfahrungen zu bieten.

Diese Grundsätze und die Methode der teilnehmenden Beobachtung leiten uns auch bei der Entwicklung der Angebote in der angegliederten Beschäftigungsstätte. Zunächst boten wir verschiedene Tätigkeiten an. Dabei stellte sich heraus, dass das Musizieren bei den Klienten eine große Resonanz auslöste. Auch das Backen von Kuchen oder Keksen zu besonderen Gelegenheiten weckte großes Interesse. So entstand Ende 2015 unser Projekt der „Song- und Backwerkstatt“.

Die Grundidee des Projektes ist es, nicht einfach zu musizieren oder Kekse zu backen, sondern diese Tätigkeiten in einen gemeinsamen Prozess einzubinden, an dessen Ende ein Ergebnis steht, das für sich steht und funktioniert: Die Songs werden mit den Klienten sowohl textlich als auch musikalisch erarbeitet. Dabei übernehmen sie je nach ihren Fähigkeiten unterschiedliche Parts. Mittlerweile liegt eine Handvoll Lieder vor und wir konnten eine renommierte Hamburger Künstlerin für die Produktion eines Musikvideos gewinnen. Die gebackenen Kekse werden vor Ort in extra gestaltete Dosen verpackt und an die Geschäftsstelle unseres Trägers ausgeliefert; alle Arbeitsschritte erfolgen gemeinsam mit den Klienten. Sie erhalten so eine direkte Resonanz auf ihre Tätigkeit.

Kontakt:

Pestalozzi-Stiftung Hamburg
Markus Pithan
markus.pithan@pestalozzi-hamburg.de

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