Die vierte mitMenschPreis-Verleihung fand am 11. Oktober 2016 in Berlin statt. Sieger ist das Projekt „Ehrenamt rückwärts“.

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Sommerlager in der Gedenkstätte Bernburg

Gruppenfoto

Bernburg ASF

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste engagiert sich jährlich mit 20-30 Projekten dafür, junge und ältere Menschen für gesellschaftspolitische Fragestellungen zu sensibilisieren und sie durch das Lernen aus der Geschichte für ein für ein Engagement in der Gegenwart zu motivieren. Das Sommerlager in Bernburg, das in Kooperation mit der Euthanasie-Gedenkstätte Bernburg durchgeführt wird, steht in diesem Kontext und ist, soweit uns bekannt ist, das einzige Inklusions-Sommerlager in Sachsen-Anhalt. Dabei wird Pluralität als Normalität verstanden und gelebt.

Es wird ein gemeinsamer Raum für das Gespräch über historische und gegenwärtige Themen geschaffen. Dabei findet Bildungsarbeit für Menschen mit Behinderungen an der Gedenkstätte und damit an einem Ort statt, der ihnen lange Zeit „nicht zugemutet“ werden sollte ebenso wenig wie Lernen über den NS, der für die deutsche Gesellschaft eines der stärksten und prägendsten Narrative ist.

Durch die gemeinsame Projektarbeit in Kooperation mit der Euthanasie-Gedenkstätte werden Bezüge und Brücken zu heutigen Lebenssituationen geschlagen und sich über die unterschiedlichen Lebensrealitäten ausgetauscht, Fragen von Ausgrenzung und Umgang mit Menschen mit Behinderungen gestellt, welche Gruppen werden wie „be-hindert“, was kann man dagegen tun? Die Beschäftigung mit den Themen führt zu Handlungen und Denkanstößen in der Gegenwart.

Vor Ort bedeutet das Projekt Veränderungen in kleinen Schritten sowie die Stärkung der kleinen Gedenkstätte, die im Ort nicht selten Objekt von rechten Anfeindungen ist. Unsere Arbeit ist ein Zeichen gegen Rechtsextremismus, das Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam und gleichberechtigt setzen. Durch die Internationalität der Teilnehmenden sind diese Debatten nicht auf Deutschland beschränkt: durch die Multiplikator_innen-Funktion der Teilnehmenden werden die Diskussionen und Anregungen auf andere Länder übertragen.

Der Umgang mit anderen Formen der Erinnerungsarbeit schafft Normalität und neue Perspektiven auf die eigene Erinnerung: zum Beispiel wenn Menschen mit Behinderungen sich auf den Obduktionstisch legen wollen, was andere Besucher_innen so aus Führungen nicht gewohnt sind. Warum ist das so und wer reagiert wie auf diesen Ort? Solche Momente als bereichernd, nicht als „unnormal“ oder störend zu empfinden, ist eine große Stärke des Projekts.

Kontakt:

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.
Christine Bischatka
bischatka@asf-ev.de

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