Die vierte mitMenschPreis-Verleihung fand am 11. Oktober 2016 in Berlin statt. Sieger ist das Projekt „Ehrenamt rückwärts“.

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Glüwi – Das Musical

Jeder Mensch, egal mit welcher Behinderung, hat ein Recht auf Kultur und Bildung. Mit der Erarbeitung eines neuen Musicals wollte die Theatergruppe der Einrichtung der Barmherzigen Brüder Gremsdorf in Zusammenarbeit mit dem Kompoisten Johannes Berner ein außerordentliches Experiment der Integration starten. Im Jahr 2004 als Schwarzlichttheater gegründet, konnte die Gruppe schon auf eine Anzahl erfolgreicher Auftritte zurückblicken.
Im Laufe des ersten Projektjahres wurde von den Mitarbeitern und Bewohnern Großes geleistet. Man zeichnete Entwürfe der Musical-Figuren, die so konzipiert wurden, dass sie in unserer Werkstatt für Menschen mit Behinderung von den Beschäftigten als Schwingfiguren nachgebaut werden können. In mehreren Sitzungen gestaltete das hausintern gebildete Kreativ-Team die Figuren.
Alle Requisiten und Kostüme des Musicals wurden von den Mitarbeitern designet und hergestellt. Wo es möglich war, gingen die Bewohner mit zur Hand. Ein relativ kleines Budget erforderte Improvisationstalent und erzeugte manchen kreativen Geistesblitz. So entstanden beispielsweise die Stacheln für das Igelkostüm aus unzähligen bemalten Kabelbindern. Für das Bühnenbild wurden neue Beleuchtungselemente angeschafft, die Effekte der Schwarzlichtszenen wurden perfektioniert und Specialeffects kamen zum Einsatz.
Da es sich um ein Playback-Musical handelt, benötigte man natürlich einen Tonträger. Diesen produzierten die Barmherzigen Brüder Gremsdorf in Zusammenarbeit mit dem Musicalkomponisten Johannes Berner. Für die musikalische Umsetzung mobilisierte Berner Musiker aus seinem Bekanntenkreis, den Part des Sprechers übernahm er persönlich. Außerdem sind auf der CD die Stimmen von Cati Wörner (Sozialdienst), Michael Denk und Herbert Weiß (Montagegruppe Werkstatt) zu hören, die sich dafür ganze Samstage Zeit nahmen, um in einem Tonstudio in der Fränkischen Schweiz ihre Parts aufzunehmen.
Es wurden öffentliche Auftritte geplant, bei denen als besonderes dramatisches Ausdrucksmittel die Konfrontation der Zuschauer mit Menschen mit Behinderung stattfinden sollte. Durch das Agieren auf der Bühne und das Scheinwerferlicht kann sich der Zuschauer einer Auseinandersetzung mit der Thematik nicht mehr entziehen. Der Anspruch der Theatergruppe war es, das Publikum vergessen zu lassen, dass es sich bei den Darstellern um Menschen mit Behinderung handelt, damit eine alltagsübergreifende Gleichbehandlung zu erzielen und Berührungsängste abzubauen.
Am Freitag, 11. Dezember 2009, um 18:00 Uhr feierte Glüwi im Forum Barmherzige Brüder Gremsdorf schließlich seine ungeduldig erwartete Premiere, und rund 400 Kinder und Erwachsene freuten sich auf eine spannende und gelungene Vorstellung. Besondere Highlights waren die Schwarzlichtszenen, die durch ihre mystisch ästhetische Atmosphäre beeindruckten. Der Gremsdorfer Theatergruppe war es mit einer beispielhaften Leichtigkeit gelungen, den integrativen Gedanken zu vermitteln, Inklusion vorzuleben und spielerisch deutlich zu machen: Man hilft sich gegenseitig, geht freundlich miteinander um, und der Spaß kommt dabei auch nicht zu kurz. Der moralische Zeigefinger blieb dezent im Hintergrund und kam augenzwinkernd daher, wenn sich die Freunde untereinander über ihre unterschiedlichen Charaktereigenschaften amüsierten und gegenseitig belächelten. Toleranz, Akzeptanz und eine große Portion Humor braucht es, wenn Menschen mit und ohne Behinderung aufeinander treffen. Die Besucher der Veranstaltung waren begeistert und hinterließen ausschließlich positive Resonanz.
Im Verlauf der folgenden Monate ging das Theaterensemble verstärkt in die Werbung. So wurden Flyer gedruckt, Einladungsbriefe geschrieben und an Kindergärten und Behinderteneinrichtungen versandt.
Angestellte aus den unterschiedlichsten Bereichen der Einrichtung waren an der Umsetzung des großen Projektes beteiligt. So halfen beispielsweise die Mitarbeiter und Beschäftigten von Palette und Projektwerkstatt beim Aufbau der Bühnenelemente und der Soundanlage mit. Hausintern wurde eine Internetseite erstellt. Mittlerweile gibt es eine weitere Internetseite mit Online-Shop, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern erstellt wurde. Die liebevoll gestaltete interaktive Seite hält viele Überraschungen bereit. So kann man in der Leseecke spannende Abenteuergeschichten lesen und hören, in der Spielecke auf Spurensuche gehen, in der Musikbox den schönsten Liedern lauschen und natürlich alles über Glüwi und seine Freunde erfahren. Selbstverständlich sind sie auch schon in Facebook vertreten.
Die eigens für das Gremsdorfer Musical designeten Figuren wurden nach und nach in Schwingfiguren umgesetzt, die in der hauseigenen Werkstatt montiert wurden. Anschließend wurde im Berufsbildungsbereich ein hochwertiges Glüwi-Memory aus Holz hergestellt. Berühmt für die Produktion hochwertiger Kickertische ließ es sich die werkstatteigene Schreinerei nicht nehmen, einen exklusiven Glüwi-Kicker zu bauen. Dieser kann ebenfalls käuflich erworben aber auch gemietet werden. Das professionell produzierte Hörspiel, Glüwi-Tee und Glüwi-T-Shirts sind ebenfalls im Sortiment. Die Merchandise-Artikel können entweder direkt bei den Aufführungen, im Gremsdorfer Werkstattladen oder über den Online-Shop der Homepage bezogen werden. Das Musical-Projekt war seit der Premiere auf mehreren Veranstaltungen mit einem Werbe- und Merchandise-Stand vertreten.
Mittlerweile gibt es neben der Originalversion von Glüwi noch zwei weitere Fassungen des Musicals. Da das Stück mit 90 Minuten Spielzeit zu lang für die Aufführung auf Messen und bei größeren Veranstaltungen ist, wurde die Kurzversion „Glüwis Traum“ entwickelt. Als reine Schwarzlichtversion mit einer Spieldauer von 30 Minuten entführt das Glühwürmchenkind die Zuschauer in seine Welt der Träume und Illusionen. Glüwi träumt von seinem großen Abenteuer und bietet damit eine Zusammenfassung des ursprünglichen Musicals, die neugierig auf mehr macht. Als interaktive, integrative musikalische Vorlesung mit einer Dauer von 40 Minuten kommt Tierforscher „Prof. Dr. Pampel“ (Johannes Berner) mit der Episode „Geplatzte Freude“ in Kindergärten, Grundschulen, zu Kindergeburtstagen und anderen Veranstaltungen.

Kontakt:
Barmherzige Brüder Gremsdorf
Katrin Heinz-Karg
k.heinz@barmherzige-gremsdorf.de